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Es ist schlimm, wenn du Durst hast, Beiz hast aber kein Geld hast.

Schlimmer ist es, wenn du Durst hast, Geld hast aber keine Beiz hast.

Das Schlimmste jedoch ist, wenn du Geld hast, Beiz hast aber keinen Durst hast.


Mein Weg durch meine "Beizer" Karriere - begleite mich!


Wirt

Beizer ist so ziemlich der kreativste Beruf den man sich vorstellen kann. In einem feinen Restaurant heisst er dann Wirt oder Restaurateur. Im Hotel ist er der Direktor oder der Hotelier. Nur die Gäste sind immer die gleichen ob sie reich und berühmt, arm und verschroben, nett oder arrogant , verliebt oder traurig sind, alle gehen sie in die Beiz.

 

Das Wesen und die Persönlichkeit des Beizers erkennt ein geschultes Auge sofort wenn es die Gaststube, das Restaurant, die Bar oder was immer das Lokal für einen Spitznamen trägt, sofort. Natürlich nur das geschulte.

 

Meine erste Beiz war ein Cafe, der Besitzer nannte es sein Wiener Cafehaus und ich als Oesterreicher erschien ihm wie geschaffen für diese Beiz. Was bis zu einem gewissen Grad auch der Wahrheit entsprach, ich hatte die uns Oesterreichern eigen geflissene, es gibt Leute die sagen dem schmierige, leicht unterwürfige Art des Dieners, an mir. Was jedoch nur eine uns ebenfalls eigene Hinterlistigkeit verbarg.

 

Das Tea Room hatte gut 75 Plätze, hiess RENDEZ VOUS und lag in der Oberstadt in Burgdorf. Das war zu der Zeit als man noch mit dem Auto in Oberstadt fahren und am Graben parkieren konnte. Im gleichen Haus hatte ein bekannter Goldschmied seinen Laden mit dazugehörigem Atelier. Rundherum waren eine Menge Kleingewerbler für den täglichen Bedarf mehrere Restaurants sowie die Post. Ein kleines Dorf im Dorf in dem jeder jeden kannte in dem aber auch jeder verkehrte. Es war ein ausserordentlich lebendiger Teil von Burgdorf. Vom Schürsenkel bis zum Ehering war alles zu haben in der Oberstadt.

 

Wir öffneten um halb acht was uns die Bürokundschaft bescherte, später sogar schon um sieben. Es ging jeweils gleich los sobald dir Tür offen war. Der Besitzer hatte eine Bäckerei in Kirchberg und belieferte uns mit seinen Waren was natürlich toll war , noch warme Gipfeli zum Kaffee kam bei den Bürolisten gut an. Es war so die Zeit in der ein normaler Kaffee nicht mehr unbedingt der Renner war. Schale mit wenig, viel, warmer, lauwarmer, kalter Milch das ging ja noch aber dann mussten wir es ja unbedingt den Italienern nachmachen, die Milch schäumen und daraus Capuccino, latte Macchiato usw machen. Ich vermute einmal dass es nur wegen dem Werbespot im Fernsehen, in dem sich ein blondes Püppchen lasziv den Milchschaum von der Oberlippe leckte, so populär wurde.

 

Ich hatte bis dahin keinen blassen Schimmer von Kaffeevariationen, beschränkte sich mein Kaffeekonsum doch nur auf Espresso. Es braucht ein wenig Geschick mit dem Dampfhahn die Milch aufzuschäumen und es war auch ein ständiges Thema für etwaige Streitgespräche unter den Buffet Damen. Ja die gab es damals noch und ich kann euch versichern eine gute Buffetdame hatte Haare auf den Zähnen und das nicht zu knapp. Meine erste Lektion als Gerant hiess also, leg dich nicht mit deiner Buffet Dame an. Das ist aber leichter gesagt als getan. Die Serviertöchter oder Fräulein`s, ja das sagte man so, ungestraft wohlgemerkt, es gab dafür keine vernichtenden Blicke oder Kommentare, die hatten natürlich Dauerstress mit den Buffet Damen und lagen mir in den Ohren etwas zu unternehmen, denn schliesslich sei ich ja der Chef.

 

Hörst du die Sirene, mit aufgeblasenem Matchobrüstl wollte ich also einmal nach dem rechten sehen. Als ich die funkelnden Augen meiner 154 cm grossen Buffet Dame, Gewicht und Grösse in unübersehbarer Disharmonie,sah liess ich die Luft erst einmal raus, ganz leise, drehte mich um ging in die Küche und rührte in der Suppe die eigentlich schon fertig war.

 

Aber der Sturm legte sich wieder, nach dem Mittagsservice sassen wir zusammen und einige Damen liessen kräftig Dampf ab. Ich, der ich bis dahin keine Ahnung hatte wie ich sieben Frauen der Chef sein sollte beschloss erst einmal abzuwarten. Und das war gut so.

 

Das Geschäft lief gut und wir gewöhnten uns aneinander, an unsere Stärken und Schwächen. Ich schaffte es einigermassen gut meinen Mitarbeiterinnen die Gäste als unseres Ziel zu vermitteln und das gab mir dann auch den nötigen Spielraum bei Streitigkeiten diese Maxime ins Zentrum zu stellen. Hin und wieder hätte ich mir schon gerne einen männlichen Mitarbeiter gewünscht mit dem ich mich hätte zoffen können aber andererseits auch wieder nicht .


Gäste

Der Hotspot war ein runder Tisch mit acht Plätzen bei normaler Bestuhlung aber es konnten schon auch doppelt so viele Gäste daran hocken und das im wahrsten Sinne denn einige hatten wirklich gehockt. Na ja kleinere Delikte Sachbeschädigung an Demos Dienstverweigerer nichts wirklich kriminelles. Und dann die Künstler davon gab es alle Arten und Gattungen von den echten bis zu den Ueberlebenskünstlern , die waren übrigens der Hauptanteil. Jobben war gross in Mode die meisten arbeiteten gerade einmal so viel dass es zum leben reichte.

 

Nun ist das ja nicht so dass als neuer Geschäftsführer seine Gäste mitbringt, im Gegenteil die beobachten einem ganz genau und vergleichen dann mit dem Vorgänger. Ich hatte genug zu tun und kümmerte mich wenig um das Gerede.

 

Einer Gruppe von Lehrerinnen waren diese Taugenichtse , wie sie sie nannten , ein Dorn im Auge. Vor allem wollten sie den runden Tisch morgens von zehn bis halb elf für ihre Pause. Früher beim alten Chef war das möglich aber neuerdings sei der runde Tisch um diese Zeit mit allerlei Zwielichtigen Gesellen besetzt. Aus dem Augenwinkel sah ich die Buffetdame verneinend den Kopf schütteln. Tags darauf reservierte ich einen Tisch für die Damen und empfang sie mit den Worten dass dieser Tisch explizit für sie wäre. Das kam trotz meiner Charmoffensive nicht an, sie wollen den runden Tisch. Auf meine Frage warum es denn unbedingt der runde sein müsse bekam ich zur Antwort dass an einem runden Tisch alle gleichberechtigt sind. Und übrigens meinen Charm könne ich mir sonst wo hinstecken stattdessen endlich mit dem Gesindel aufräumen. Von da liess ich die beiden Parteien ihre verbalen Attacken ohne mein zutun ausfechten. Es funktionierte die Damen setzten sich demonstrativ in den entferntesten Winkel des Restaurants. Sie blieben aber treue Gäste.

 

Am Höhepunkt des Vormittages so gegen zehn Uhr war das Tea Room platsch voll, mehr als zwei Drittel davon Frauen vorgerückten Alters. Sie sind nicht besser und nicht schlechter als irgend eine andere Altersguppe jede hat ihre Wünsche und Marotten. Eines Tages beschloss mein Chef neues Geschirr zu kaufen und auch gleich noch eine Cafémaschine dazu.

 

Diese Tatsache hatte natürlich eine Vorgeschichte. Die Cafémaschine war ein Halbautomat die Bohnen wurden in einer kleinen Mühle gemahlen danach in einen Drehbehälter oberhalb des Kolbens geleert. Wurde nun ein Café gemacht so drehte man an dem Behälter daraufhin fiel er durch einen Trichter in den Kolben der ihn in die Maschine drückte. Nun kam es vor dass der Einlasstrichter vom Dampf feucht war und der gemahlene Café stecken blieb dazu lag ein Pinsel bereit mit dem das Problem lösen konnte. Die gute Buffetdame im Stress löste das Problem in dem sie mit dem Zeigefinger den stecken gebliebenen Café in den Kolbenraum drückte . Sie war klein von Statur und musste um den Vorgang zu beobachten auf einen eigens für sie bereitstehenden Schemel steigen, was sie an diesem verhängnisvollen Vormittag nicht tat so hatte sie ihren Zeigefinger noch in der Kammer als der Kolben ihr den vorderen Teil des Zeigefingers abzwickte. Ich will hier einen Teil überspringen, zurück kam sie mit dick eingebundener Hand. Die Fingerkuppe konnte man nicht mehr annähen, wie hatten sie vergebens aus dem Cafésatz gerettet.